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Die Bedeutung des Natur- und Vogelschutzes für Liechtenstein

Gastbeitrag von Benno Büchel, Balzers

«Wir geben unseren Vögeln eine Stimme»

Dieser treffende Leitsatz von Birdlife Österreich gilt auch für uns, denn Vögel sind viel mehr als nur lieb gewonnene Begleiter in unserem täglichen Leben. Sie sind Bioindikatoren und spiegeln die biologischen Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur wider. Die Ornithologie, das Wissen von und Sich-Befassen-mit-den-Vögeln, kann daher einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Selbstverständnis leisten.

Vogelschutz ist grundsätzlich eine Sammelbezeichnung für sämtliche Massnahmen, die zur Erhaltung, Förderung oder Ansiedlung von Vögeln geeignet sind. Der Vogelschutz ist eine Teileinheit des Naturschutzes und ist in vielerlei Hinsicht mit der Ornithologie, dem Wissen um undVerständnis für unsere Vogelwelt, verknüpft.

Gemeinsam für Mensch und Natur

Um für unsere Vogelwelt gute Lebensbedingungen zu schaffen, engagieren wir uns für die Natur und beginnen damit vor der Haustür, indem wir die Artenvielfalt und den Schutz intakter Lebensräume fördern. Wir legen Wert auf gute Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und den schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen.

Unsere Mitglieder spielen die wichtigste Rolle bei der praktischen Naturschutzarbeit des Liechtensteinischen Ornithologischen Landesverbands LOV überall im Land. In den fünf Ortsvereinen (Balzers, Vaduz, Schaan, Mauren und Liechtenstein Unterland) kümmern sich die Aktiven um unsere Anliegen und sind mit ihrer Expertise gefragte Ratgeber zu allen Fragen des Natur- und Vogelschutzes.

Alle können natürliche Lebensräume schaffen

Es gibt viele Möglichkeiten, das eigene Umfeld vogelfreundlich zu gestalten und wichtige Lebensräume in Haus und Garten zu schaffen, wie zum Beispiel:

  • Alte Bäume stehen lassen
  • Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz
  • Vielfältige Gartengestaltung (Büsche, Bäume, Wiesen, Stein- und Asthaufen)
  • Dichtwüchsige, heimische Sträucher und bunte Hecken anbringen
  • Anpflanzung von heimischen Wildblumen und Wildkräutern
  • Nisthilfen für unsere Singvögel und eine angemessene Winterfütterung.

Sorge um die Vogelwelt

Die auf Wiesen und Feldern brütenden Vogelarten sind die aktuellen «Sorgenkinder» des Vogelschutzes. Durch die flächendeckende Intensivierung der Landwirtschaft befinden sich fast alle Feld- und Wiesenvögel im Sinkflug, weil der Verlust vielfältiger Lebensräume mit blütenreichen Randstreifen, Hecken und Brachen sowie der Einsatz giftiger Spritzmittel und zu frühe Wiesenmahd der Vogelwelt schwer zu schaffen machen. Ihre Gelege werden zudem häufig durch die Bewirtschaftung zerstört.Die Klimaveränderung führt dazu, dass sich Vögel neue Brutplätze suchen müssen, weil die Bedingungen sich verändern, es gibt die «Vogelwanderung».

Das Ausmass des Artensterbens im Ackerland wird durch das regelmässige Monitoring dramatisch aufgezeigt: Einige der vom Aussterben bedrohten Vogelarten kommen fast ausschliesslich nur noch in Schutzgebieten vor, wobei bei uns in Liechtenstein vor allem das Ruggeller Riet eine überlebenswichtige Rolle spielt.

Rolle des LOV im Natur- und Vogelschutz

Schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts bildeten sich in unserem Land die ersten Vereine, die sich dem Vogelschutz und der Kleintierzucht widmeten. 1960 gründeten sie dann, zusammen mit dem Tierschutzverein, den LOV, den Liechtensteinischen Ornithologischen Landesverband.Inzwischen konnten schon viele Projekte, auch dank privater und öffentlicher Unterstützung, realisiert werden.

Die nachhaltigsten sind:

  • Das Naturschutzgebiet Äulehäg in Balzers, das auf Initiative des OV Balzers in den 60er-Jahren entstanden ist und heute eine bedeutende ökologische Insel darstellt.
  • Das Anbringen und der jährliche Unterhalt von Nisthilfen, vor allem für Meisen, Greifvögel, Schwalben, Stare etc. ist eine Hauptaufgabe aller Vereine.
  • Die Vogel-Winterfütterung mit den eigens hergestellten Futterklötzen ermöglicht manchem Singvogel trotz fehlender natürlicher Nahrung das Überleben.
  • Die regelmässigen ornithologischen Exkursionen der Vereine, die viele Interessierte anziehen und bei denen fachlich kompetente Ornithologen die Führungen leiten.
  • Die regelmässigen Grund- und Weiterbildungskurse, die in den letzten Jahren spürbar besser besucht werden.
  • Nicht zuletzt versuchen wir immer wieder, Jugendliche und Schulklassen für unsere Anliegen zu gewinnen. Es ist höchst motivierend anzusehen, wie sehr Kinder mit Enthusiasmus selbst Hand anlegen, wenn es darum geht, Natur-Lebensraum zu schaffen. Die Freude an der Vogelwelt und die Verantwortung, unsere Natur-Lebensräume den uns folgenden Generationen zu erhalten, ist der Antrieb für unser Wirken.

Projekte des LOV

Je nachdem welche Spezies gefördert oder angesiedelt werden sollen, sind verschiedene Projekte aufgegleist worden.

Eisvogelwände

Im Rahmen der Revitalisierung des Liechtensteiner Binnenkanals in jenem Abschnitt, wo die Dampfleitung parallel zum Kanal geführt wird, wurde auch ein zusätzlicher Weiher erstellt, an dem eine Eisvogelwand eingebaut wurde. Ebenso wurde vom LOV Schaan im Rahmen eines Schülerprojekts eine solche Wand im Speckibach erstellt.

Während die Mehlschwalbe ihr Nest aussen an Gebäuden unter Dachvorsprüngen an die Hauswand klebt, brütet die Rauchschwalbe im Innern von Scheunen und Ställen, wo sie auch bei schlechtem Wetter auf Insektenjagd gehen kann.

Schwalbenschutz

Die zwei bei uns am häufigsten vorkommenden Schwalbenarten sind die Mehl- und die Rauchschwalbe. Während die Mehlschwalbe ihr Nest aussen an Gebäuden unter Dachvorsprüngen an die Hauswand klebt, brütet die Rauchschwalbe im Innern von Scheunen und Ställen, wo sie auch bei schlechtem Wetter auf Insektenjagd gehen kann. Beide Arten haben in unserer «zubetonierten» Landschaft grosse Schwierigkeiten, ihr lehmiges Nistmaterial zu sammeln. Zum Glück nehmen sie gerne künstliche Nisthilfen an. Der LOV gibt solche Schwalbennester gratis an die Bevölkerung ab und gibt Tipps für die richtige Montage.

Die in Schaan, Mauren und Balzers aufgestellten «Schwalbenhäuser» mit mehreren künstlichen Nestern sind bisher leider noch nicht bewohnt worden. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Erfolg nicht ausbleiben wird.

Storchenplattformen

In Ruggell und Schaan haben solche Plattformen dem Storch auf die Sprünge geholfen; er ist bei uns heimischgeworden. In Balzers scheint es ihm bisher noch zu windig gewesen zu sein.

Mauersegler

Der LOV bemüht sich, bestehende Seglerkolonien zu schützen. Das beste Beispiel ist die alte Spörryfabrik in Vaduz, wo es auf Initiative des LOV gelang, die grosse Mauerseglerkolonie über die Renovation zu retten.

Nachdem in den 1990er Jahren in Liechtenstein keine Bruterfolge mehr nachgewiesen werden konnten, gelang es in den letzten Jahren mit Nisthilfen wieder einige Bruten erfolgreich aufzuziehen.

Schleiereule

Viele traditionelle Schleiereulenbrutplätze in Kirchtürmen und Scheunen wurden in den letzten Jahrzehnten durch Renovierungsarbeiten zerstört oder durch Vergitterung der Einflugöffnungen für Eulen unzugänglich gemacht. Der LOV bemüht sich seit einigen Jahren um diese attraktive Vogelart. Nachdem in den 1990er Jahren in Liechtenstein keine Bruterfolge mehr nachgewiesen werden konnten, gelang es in den letzten Jahren mit Nisthilfen wieder einige Bruten erfolgreich aufzuziehen.

Turmfalke

Auch der Turmfalke jagt bevorzugt Mäuse in der offenen Feldflur. Rüttelnd kann er in der Luft «stehen» bleiben und nach Beute Ausschau halten. Mit Nisthilfen an Scheunendächern konnte der LOV in den letzten Jahren wieder mehrere Bruterfolge erreichen

Projekt Buntbrachen

Buntbrachen sind wichtige Lebensräume für diverse Tier- und Pflanzenarten und bieten einen grossen Beitrag zum Erhalt unserer Biodiversität. Es zeigt sich aber, dass es bei unseren begrenzten Bodenflächen trotz Ökobeiträgen schwierig ist, Landwirte für solche Naturprojekte zu gewinnen.

Wiedehopf

Der Wiedehopf war bei uns seit den 1950er-Jahren praktisch ausgestorben. Verschiedene Schutzprogramme in der Schweiz und vor allem auch in Graubünden haben dazu geführt, dass dieser wunderschöne Vogel in den letzten Jahren vereinzelt auch wieder bei uns brütet. Er leidet nicht nur unter den veränderten Lebensbedingungen, er wird auch immer wieder Opfer von streunenden Katzen. Mit Nisthilfen und Erhalt von geeignetem Lebensraum schaffen wir Voraussetzungen, dass es dem Wiedehopf bei uns wohl ist.

Wendehals und Flussregenpfeifer

Diese beiden Artenschutzprojekte wurden zusammen mit Birdlife Sarganserland auf den Weg gebracht. Sie beinhalten ein intensives Monitoring von geeigneten Lebensräumen für beide Vogelarten und zusätzlich Nisthilfen für den Wendehals sowie den aktiven Schutz von möglichen Brutplätzen für Flussregenpfeifer auf Sandbänken.

Kiebitz

Der Kiebitz ist unser Vogel des Jahres 2019 und sehr gefährdet. In Liechtenstein galt er als ausgestorben; es konnten in den letzten Jahren aber wieder vereinzelt Bruten festgestellt werden, die aber leider vielen Feinden ausgesetzt sind. Aus diesem Grund lanciert der LOV in diesem Jahr ein Projekt zum Schutz der Kiebitzbruten.

 

Benno Büchel

In seinem Berufsleben nahm der in Balzers-Mäls wohnhafte Präsident des LOV eine leitende Stellung bei der Liechtensteinischen Landesbank ein. Schon seit seiner Kindheit mit Tieren vertraut, interessierte er sich zeitlebens für die Belange des Natur- und Vogelschutzes und insbesondere auch für Kaninchen. Von 1991–2012 war er Aktuar und Vizepräsident des OV Balzers und seit 2011 führt er als Präsident die Geschicke des Liechtensteinischen Ornithologischen Landesverbands.