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60Plus | Jahreszeiten | Dezember, 2019
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Gedanken zu Weihnachten und zum neuen Jahr

Gastbeitrag von Schwester M. Monja Schnider und Schwester M. Olgi Quaderer

Schönstätter Marienschwestern, Zentrum Neu-Schönstatt, Quarten

Ein Stern auf dem Weg

Haben Sie schon mal eine spektakuläre Reise erlebt, vorbei an Höhen und Tiefen und atemberaubenden Landschaften? Eine Reise, die Ihre Herzen höher schlagen liess? Diese Worte entstammen einer Beschreibung eines Achterbahnvergnügens im Europa Park in Rust. Rückblickend auf Ihr eigenes Leben könnten Sie manche Wegstrecken wohl genauso beschreiben.

Drei Weise auf der Reise

Eine spektakuläre Erscheinung am Himmel hat sie aufbrechen lassen und sie buchstäblich alles hinter sich stehen und liegen lassen. Die drei Weisen aus dem Morgenland. Im Matthäusevangelium sind es Magier, die das Kind anbeten, Sterndeuter, Traumdeuter, Männer aus der Ferne. Die Tradition hat in ihnen Könige gesehen. Königliche Menschen sind es, die sich ihrer Würde bewusst sind. Die «Drei Könige» zeigen auch, wer wir eigentlich sind, welchen Traum Gott von uns geträumt hat. Wir sind königliche Menschen. König ist der, der selber lebt, anstatt von aussen gelebt zu werden, der selbst herrscht, anstatt von anderen beherrscht zu werden. König ist der ganze Mensch, der zu sich und in sich steht, wie er in den Augen Gottes ist. Und wir sind durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus selbst zu göttlichen Menschen geworden. Gott hat unsere sterbliche Natur verwandelt. In unserer Tiefe sind wir eins mit ihm. Durch die Taufe ist das göttliche Leben in uns. Deshalb sind wir tief in unserer Seele schon am Ziel.

Und doch bedarf es eines Weges, um an ein Ziel zu gelangen. Täglich sind wir auf dem Weg. Jeden Morgen wenn wir aufstehen, beschreiten wir Wege. Wir beschreiten sichere Wege der Gewohnheit. Oft aber müssen wir neue Wege gehen, deren Verlauf wir nicht genau kennen. Auch uns ist ein Licht, ein Stern geschenkt auf unserem Weg. Folgen wir dem Zeichen und geben nicht auf – gehen dem Ziel entgegen, das uns verheissen. Manches kommt ganz anders als die Weisen es sich gedacht, gewünscht und vorgestellt haben. Sie folgen dem Stern allen Widerständen zum Trotz und glauben an sein Neuerscheinen als er über Jerusalem erlischt. Sie glauben an den Stern auch in sternloser Zeit. Denn Sterne leuchten nicht immer. Es gibt auch die finstere Nacht ohne Sterne. Es gibt den Zweifel und die Verzweiflung. Und dunkle Nächte können sehr lange sein. Die Weisen sind Menschen, die Atemberaubendes erleben und nicht aufgeben: unterwegs nicht, wo ihnen der Stern abhanden kommt; in der Stadt nicht, wo ihnen Unaufrichtigkeit und Unverständnis entgegenschlägt; am Ziel nicht, wo der gesuchte König anders als erwartet ein einfaches Kind ist, das nicht in einem Palast geboren ist, sondern in einer bescheidenen Behausung. Anders als erwartet – und doch am Ziel! Und dabei fanden sie in dieser Bescheidenheit der Futterkrippe im Stall die Liebe Gottes. Wie war das möglich? Was hat die Sterndeuter überzeugt, dass jenes Kind «der König der Juden» und der König der Völker war? Sicher hat sie das Zeichen des Sterns überzeugt, den sie «hatten aufgehen sehen» und der genau über dem Ort stehen blieb, wo sich das Kind befand (vgl. Mt 2,9). Aber auch der Stern hätte nicht genügt, wenn die Sterndeuter nicht Personen gewesen wären, die innerlich offen für die Wahrheit waren.

Sein Stern ist der Glanz der Wahrheit

Der Weg zum Kind in der Krippe ist offenbar ein Weg der Wahrheit. Trotzdem stehen nicht die Könige aus dem Morgenland im Mittelpunkt unseres Weihnachtsfestes. Mitte unseres Festes ist Christus, das «Licht der Welt», der selbst «der Weg, die Wahrheit und das Leben» ist. In ihm ist Gott unter uns Menschen da; in ihm ist das wahre Licht aufgestrahlt, das uns den Weg zu Gott eröffnet. Weil Gott in diesem Kind zu uns gekommen ist, sind die Menschen in Bewegung geraten. Wie die «Drei Könige» sind auch wir, bewusst oder unbewusst, täglich unterwegs zu dem, der zu uns gekommen ist. Jedes Jahr vor Weihnachten, und je älter wir werden sowieso, können wir uns besinnen, ob wir noch auf dem Weg der Wahrheit gehen.

Wir wünschen Ihnen für Weihnachten von Herzen ein Ankommen bei Gott, das Ihr Herz höher schlagen lässt, und Siewie die Weisen dazu ermutigt, auf neuen Wegen weiterzugehen. Haben wir keine Angst vor dem Licht Christi! Sein Licht ist der Glanz der Wahrheit. Seine Lichtspur eröffnet uns immer wieder neue Optionen, den Weg der Wahrheit und des Lebens zu wählen. So endet unsere Geschichte an Weihnachten vielleicht auch wie jene der Sterndeuter: «Sie kehrten auf einem anderen Weg in ihr Land zurück».

In diesem Sinn: gesegnete Weihnachten und glückende Wege im neuen Jahr!

Schwester M. Monja Schnider und Schwester M. Olgi Quaderer