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60Plus | Porträt | Dezember, 2020
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Hanni Hoop, Eschen

Energiebündel und Powerfrau mit siebzig

Wer Hanni Hoop kennt, weiss, dass es sehr schwer ist, sie zu bremsen, wenn sie einmal beim Reden in Fahrt gekommen ist. Sie hat im Leben schon so viel gemacht und erlebt, dass sie damit ein Buch schreiben könnte. Hanni, geborene Wieser, ist schon in jungen Jahren auf eigenen Füssen gestanden, hat sich weitergebildet und im Ausland praktische Erfahrungen gesammelt. Sie ist ein Sprachentalent und lernte in kurzer Zeit Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch

Hanni Hoop hat viel für den Kulturaustausch zwischen China und Liechtenstein getan. Sie nimmt auch heute noch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Meinung zu sagen. Auf die Frage, was für sie älter werden bedeute, sagt Hanni Hoop: «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch mitten im Leben stehe.»

Werner Ospelt hat sich mit Hanni Hoop lange unterhalten. Es gab viel zu erzählen aus dem Leben von Hanni, angefangen von ihren Vorfahren bis heute

Die männlichen Vorfahren von Hanni stammen ursprünglich aus Tirol. Aus den Schulakten der Gemeinde Schaan geht hervor, dass sich die Familie Wieser im Laufe des Jahres 1912 in Schaan niedergelassen haben muss (Quelle: Gemeindearchiv Schaan). Der Urgrossvater von Hanni, Andreas Wieser, war bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) angestellt und ist als Bahnwärter nach Schaan an die damalige Haltestelle im Forst versetzt worden.

Ein sehr erfreuliches und wichtiges Ereignis für die Familie Wieser mit den Zwillingen Hanni und Ferdinand war die Einbürgerung in den 1960er-Jahren durch die Schaaner Bürger.

Der Vater von Hanni, Alfred Wieser, wurde 1928 geboren und machte bei der Metzgerei Ospelt in der Sax in Schaan die Metzgerlehre, arbeitete dann aber viele Jahre bis zu seiner Pensionierung bei der Firma Hilti AG in Schaan. Er war übrigens wie sein Bruder Anton auch, ein hervorragender Fussballspieler. Alfred Wieser war mit der Triesnerin Brigitte, geborene Schurte, von der Säga in Triesen verheiratet, die er kennen lernte, als er bei der Metzgerei Ospelt die Lehre machte. Sie arbeitete auch dort. Ein sehr erfreuliches und wichtiges Ereignis für die Familie Wieser mit den Zwillingen Hanni und Ferdinand war die Einbürgerung in den 1960er-Jahren durch die Schaaner Bürger. Hanni sagt: «Ich bin in Schaan geboren und aufgewachsen. Wenn die Schaaner nein gestimmt hätten, wäre es sehr schwierig geworden nach einem Auslandaufenthalt hier wieder wohnen zu dürfen. Ich hätte also praktisch meine Heimat verloren!»

In Schaan aufgewachsen

Die Eltern von Hanni Wieser bauten 1953 am Birkenweg 16 ein Einfamilienhaus, wo Hanni mit ihrem Zwillingsbruder Ferdinand aufgewachsen ist. Hanni und ihr Bruder Ferdinand erlebten eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Damals waren Gehorsam und Respekt gegenüber Eltern, Lehrer und Pfarrer normal. «Das wurde uns von klein an beigebracht und wenn es sein musste nicht nur mit Worten», sagt Hanni.

Und weiter fährt Hanni fort: «Prägend für mich war die Zeit bei den Bienle und Pfadfindern. Vor allem die Zeltlager im Sommer waren jeweils das grosse Ereignis. Ich bin auch heute noch Mitglied der Pfadfindergilde Liechtensteins. Gerne denke ich auch an die Zeit bei der Familie meines Taufpaten Otto Schurte in Triesen zurück, wo ich oft in den Ferien weilte. Die Landschaft auf der Säga, wo meine Mutter aufgewachsen ist, war für uns wie ein Paradies.

Als ich Hanni fragte, was früher anders war als heute, war sie nicht mehr zu bremsen!

Hanni Hoop: «Wir wurden nicht jeden Tag in die Badewanne gesetzt und unter die Dusche gestellt. Noch nicht jedes Haus hatte damals ein separates Badezimmer. Je nach Alter des Hauses fand die gründliche Körperreinigung einmal wöchentlich bei vielen Familien in der Waschküche statt. Das alles auch aus Spargründen. Mit Wasser, Kohle und Holz wurde sorgsam umgegangen. Wir wurden nicht gefragt, was wir anziehen möchten. Was einem die Mutter herrichtete, auch wenn die Wollstrümpfe noch so kratzten, wurde angezogen. Neue Kleider gab es selten bis nie. Man musste die Kleider der Geschwister oder von anderen austragen.

Geschenke gab es nur zu Weihnachten und auch nicht alles, was man sich erhoffte. Zum Geburtstag hat uns unsere Mutter jeweils einen Pudding gemacht. Es wurde früher viel mehr miteinander geredet. Fernsehen, Smartphones oder Handys gab es damals noch nicht.

Auch das Essen war nicht so vielfältig wie heute. Es gab vorwiegend Kartoffel- und Nudelgerichte, Käsknöpfli,  Rebel, Hafer- oder Griesbrei; nur hie und da Fleisch. Die Getränkeauswahl war ebenfalls beschränkt und bestand aus Milch oder Brunnenwasser, manchmal vermischt mit Sirup.

Wenn man vom Lehrer oder Pfarrer ermahnt oder gescholten wurde, hat man zuhause wohlweislich nichts erzählt. Wir mussten selbst damit umgehen.

Alles in Allem verlief das Leben viel ruhiger!».

Tildonk und Bexhill-on-Sea

Nach dem Besuch der Volksschule in Schaan und der Realschule in Vaduz war Hanni ein Jahr in Belgien und ein Jahr in England zur Weiterbildung und zum Lernen der französischen und englischen Sprache. Ich denke, das waren für den weiteren Lebensweg von Hanni entscheidende zwei Jahre.

Von ihren Kolleginnen der Realschule haben einige Matura gemacht und studiert, andere eine Lehre absolviert und wieder andere mussten gleich Geld verdienen.

Hanni Wieser hatte die einmalige Chance und ging als «Volontärin» an eine Klosterschule der Ordensschwestern der Ursulinerinnen nach Tildonk in Belgien, wo sie vor allem die französische Sprache lernte und auch in kaufmännischen Fächern geschult wurde. Damit nicht genug, wechselte sie im darauffolgenden Jahr direkt an eine Klosterschule der Ordensschwestern der Augustinerinnen nach Bexhill-on-Sea an der Südostküste von England, vor allem um Englisch zu lernen. Kaufmännische Fächer zählten ebenfalls zur Ausbildung von Hanni Wieser.

«Ich gehörte nicht dazu und habe als ‹Volontärin› meinen Beitrag geleistet und konnte zugleich von der Ausbildung profitieren. Meine Eltern hatten keine Freude, als ich direkt von Belgien nach England wechselte.»

Hanni erklärt mir, dass diese Klosterschulen vor allem von Diplomatenkindern und solchen aus «besserem Hause», wie man so sagt, besucht wurden. «Ich gehörte nicht dazu und habe als ‹Volontärin› meinen Beitrag geleistet und konnte zugleich von der Ausbildung profitieren. Meine Eltern hatten keine Freude, als ich direkt von Belgien nach England wechselte. Meine Mutter hoffte, ich komme heim und würde anfangen, Geld zu verdienen. Ich bin meine Eltern bis heute dankbar, dass ich diese zwei Jahre machen konnte.»

Ein bemerkenswerter und abwechslungsreicher beruflicher Lebensweg

Die erste Arbeitsstelle war nach ihren zwei Lehrjahren in Belgien und England ein Treuhandbüro in Vaduz, wo sie viel von den Erfahrungen von Angela Matt und Maria Meier profitieren konnte. Dann wechselte sie ins Hotelgewerbe, wo sie als Hotelsekretärin in Lugano, in Arosa und Teneriffa neue Erfahrungen sammelte und in kurzer Zeit Italienisch und Spanisch lernte. Reden und das Lernen von neuen Sprachen sind ein Markenzeichen von Hanni und ziehen sich durch ihr ganzes Leben bis heute.

Hanni: «Nach meiner Rückkehr habe ich wieder einige Jahre in einem Treuhandbüro in Vaduz gearbeitet. Dann habe ich drei Monate in Sizilien bei Freunden verbracht, die ich während meines Aufenthaltes in Lugano kennengelernt habe. So konnte ich die italienische Sprache verbessern und die dortigen Bräuche und Kultur kennen lernen. Die nächste Arbeitsstelle war dann in einem Anwaltsbüro in Zürich, wo ich vier Jahre gearbeitet habe. Vor meiner Heirat im Jahre 1981 war ich noch drei Monate in Madrid als Praktikantin in einer renommierten Zahnarztpraxis.»

Hanni Hoop und Franz Hoop sind im Januar 2021 vierzig Jahre verheiratet

Hanni Wieser, Energiebündel und Powerfrau, heiratete Franz Hoop, den Zahnarzt Franz Hoop, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Ein ungleiches Paar würde man meinen, aber es funktioniert seit bald 40 Jahren bestens! Hanni Wieser hat ihren späteren Mann Franz Hoop während ihrer Zeit in Zürich kennen und lieben gelernt. Franz Hoop hat nach seinem Studium in der Schulzahnklinik, der Volkszahnklinik und in einer Zahnarztpraxis in Zürich gearbeitet. Sie haben im Januar 1981 geheiratet, wohnten zuerst in Zürich, wo auch ihre Tochter Judith im Februar 1982 geboren wurde. Sie sind dann nach Bendern gezogen, als Franz Im November 1982 die Zahnarztpraxis von Dr. Egon Marxer in Bendern übernommen hat. Im Jahre 1983 kam Sohn Alban und 1985 Sohn Thomas auf die Welt. Sie haben dann 1987 an der Haldengasse 9 in Eschen gebaut und sind dort privat und mit der Praxis eingezogen. Franz Hoop führte die Zahnarztpraxis bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2014 sehr erfolgreich und wurde dabei stets von seiner Frau Hanni unterstützt.

Eine politisch und kulturell engagierte Powerfrau

Hanni Hop hat sich nicht nur als Mutter, Hausfrau und Unterstützerin ihres Mannes für die Familie eingesetzt, sondern ihre Fähigkeiten auch der Gemeinde und dem Land zur Verfügung gestellt. So war sie von 1988 bis 1996 Mitglied des Verwaltungsrates der AHV-IV-FAK-Anstalten und von 2003 bis 2007 als Mitglied des Gemeinderates von Eschen für das Ressort Kultur und Kirche zuständig. Sie ist heute noch politisch aktiv und sagt ihre Meinung klipp und klar.

Kulturaustausch zwischen China und Liechtenstein

Ihr Organisationstalent und ihre Sprachkenntnisse halfen ihr sehr, als sie in den 1990er-Jahren das Kammerorchester Liechtenstein (das heutige Symphonieorchester Liechtenstein) dabei unterstützte, Auftritte und Konzerte zu organisieren. Und sie hat auch mitgeholfen, andere kulturelle Veranstaltungen mit Künstlern aus China in Liechtenstein durchzuführen. Seit dieser Zeit bestehen zwischen dem Generalkonsulat der Volksrepublik (VR) China in Zürich und Hanni Hoop freundschaftliche Beziehungen. Sie war von 1996 bis 1999 Vertreterin für den europaweiten Kulturaustausch der Provinz Zheijang, VR China, wobei ihre Hauptaufgabe darin bestand, Kontakte herzustellen. Hanni Hoop ist Mitglied im Chinesischen Verein und Mitglied der Schweizerisch-Chinesischen Gesellschaft.

Auf die Frage: Was bedeutet für Dich älter werden?

Lautet die Antwort von Hanni Hoop: «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch mitten im Leben stehe. Hie und da lässt mich mein Körper aber doch spüren, dass ich nicht mehr zu den Jüngsten zähle. Älter werden bedeutet nicht immer, auch zu wissen, was man will. Aber man weiss zumindest immer mehr, was man auf keinen Fall mehr will.»

Hanni Hoop liegt nicht auf der faulen Haut

Nach wie vor betreut sie das von ihr im Jahr 2000 geschaffene fünfsprachige Internetportal www.welcome.li, in welchem Wirtschaftsverbände, andere Verbände, kulturelle Einrichtungen und Vereine unseres Landes Aufnahme finden. Das ist eigentlich seit Jahren ihre Hauptbeschäftigung. Sie will damit die Botschaft verbinden, dass Liechtenstein viel mehr ist als ein Finanzplatz, nämlich ein starker Industrie- und Gewerbestandort.

«Das Singen, die Lieder und die Gebete bringen mir Ruhe. Der Gregorianische Gesang hat es mir ebenfalls sehr angetan. Und aus dem Glauben schöpfe ich Kraft und Zuversicht.»

Das Singen im Kirchenchor gehört seit fast 20 Jahren zu einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Sie sagt: «Das Singen, die Lieder und die Gebete bringen mir Ruhe. Der Gregorianische Gesang hat es mir ebenfalls sehr angetan. Und aus dem Glauben schöpfe ich Kraft und Zuversicht.» Ausserdem verbringt sie viel Zeit mit der Familie, mit Freunden und Bekannten. Hanni Hoop schätzt die Geselligkeit.

Hanni Hoop ist in ihrem Leben viel gereist und weit herumgekommen, hat viel gesehen und erlebt, aber sie ist dafür dankbar, dass sie den Grossteil ihres Lebens in Liechtenstein verbringen konnte. Liechtenstein ist ihre Heimat und damit verbindet sie Zugehörigkeit und Geborgenheit. Heimat bedeutet für Hanni Hoop auch Orientierung und Anker in unserer modernen Welt.

«All dies konnte ich nur bewältigen und machen, weil ich einen sehr verständnisvollen Mann habe und meine Eltern mich in jeder Hinsicht, vor allem bei der Kinderbetreuung, unterstützt haben. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Zum Schluss unserer Unterhaltung sagte mir Hanni Hoop noch: «All dies konnte ich nur bewältigen und machen, weil ich einen sehr verständnisvollen Mann habe und meine Eltern mich in jeder Hinsicht, vor allem bei der Kinderbetreuung, unterstützt haben. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Wir danken Hanni Hoop für das Gespräch. Sie ist wie sie ist: spontan, direkt und sie redet und erzählt gerne.

Wir wünschen Hanni, Franz und der ganzen Familie Hoop schöne Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr.