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60Plus | Fokus | Dezember, 2025
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Gemeinsam für eine reiche Artenvielfalt ohne Neophyten

Viele Pflanzen, die heute in unseren Gärten und in der Natur wachsen, stammen ursprünglich nicht aus unserer Region und sind gebietsfremd. Diese sogenannten Neophyten wurden entweder gezielt – etwa im Gartenbau – oder unbeabsichtigt – beispielsweise durch den internationalen Warenverkehr – eingeführt.

Einige von ihnen gelten als invasiv. D. h., sie breiten sich rasch aus, verdrängen einheimische Arten und schaffen so ein Ungleichgewicht im Ökosystem.

Zudem bieten sie kaum Nahrung für Insekten und Tiere, können Allergien auslösen oder Schäden an Infrastrukturen sowie in der Landwirtschaft verursachen. Beispiele für invasive Neophyten sind der Kirschlorbeer, Sommerflieder und Essigbaum. Nicht-invasive Neophyten wie der Thuja oder die Forsythie breiten sich zwar nicht unkontrolliert aus, sind aber häufig ökologisch von sehr geringem Wert.

Aufgrund des Klimawandels und des globalen Handels ist davon auszugehen, dass die Zahl der Neophyten weiter zunehmen wird. In Liechtenstein wird dieser Entwicklung unter anderem mit folgenden Massnahmen entgegengewirkt:

  • 2018 hat die Regierung das Konzept zur Bekämpfung invasiver Neophyten mit dem Ziel verabschiedet, Beeinträchtigungen unserer Lebensräume durch invasive Neophyten so weit zu minimieren, dass diese keine nachhaltigen Schäden verursachen können.
  • 2022 und 2024 haben die Gemeinden und das Land gemeinsam zwei Sträucher-Tauschaktionen durchgeführt. Neophyten aus Gärten konnten kostenlos gegen ökologisch wertvolle, einheimische Sträucher ausgetauscht werden. 2026 findet diese Aktion erneut statt.
  • Die Gemeinden engagieren sich zudem mit eigenen Initiativen. So findet in Ruggell beispielsweise einmal jährlich ein Einsatz mit Freiwilligen statt, bei dem im Bereich der Binnenkanalmündung Neophyten entfernt werden.
  • Ausserdem werden Neophyten aus Naturschutzgebieten und Windschutzgehölzen entfernt. Hier sind insbesondere der Landesforstbetrieb des Amts für Umwelt sowie Liechtensteiner Vereine wie die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz aktiv.
  • Nach und nach wird der Handel mit invasiven Arten verboten. Der Kirschlorbeer und Sommerflieder wurden zum Beispiel 2024 aus dem Verkauf genommen.

Auch in der Schweiz ist man nicht untätig. Ein interessantes Beispiel kommt aus Landquart. Dort bekämpft der Verein neophyt-ex, ein Zusammenschluss von Pensionierten, wöchentlich invasive Neophyten und unterstützt so die Gemeinde, deren Verbreitung einzudämmen.

Invasive Neophyten in Liechtenstein

Definition Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen. Als invasiv gelten jene, die sich stark ausbreiten und negative Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit oder Wirtschaft haben.

Beispiele invasiver Neophyten in Liechtenstein

  • Essigbaum Rhus typhina
  • Japanischer Staudenknöterich Reynoutria japonica
  • Sommerflieder Buddleja davidii
  • Kirschlorbeer Prunus laurocerasus

Mögliche Risiken

  • Verdrängung einheimischer Arten
  • Veränderung von Lebensräumen
  • Gesundheitsrisiken (z. B. Allergieauslösung durch
    Ambrosiapollen)
  • Schäden an Infrastrukturen (z. B. an Strassen durch den Japanischen Staudenknöterich)

Wer einheimische Sträucher und Blumen pflanzt, schafft Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere – ein kleiner Beitrag mit grosser Wirkung. Einheimische Pflanzen können das ganze Jahr hindurch beim Landesforstbetrieb des Amts für Umwelt in Schaan bezogen werden.

Weitere Infos: www.llv.li, Rubrik Umwelt/Wald, Natur, Landschaft