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60Plus | Fokus | Dezember, 2025
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Mehr Sicherheit und Versorgung: Die Prioritäten für 2026

von Gabi Eberle

 

Seit 10. April 2025 ist Emanuel Schädler Liechtensteins Minister für Gesellschaft und Justiz. In seine Zuständigkeit fallen u. a. die Bereiche Soziales, Gesundheit, Familie und Chancengleichheit, Liechtensteins soziale Sicherungssysteme (AHV, Invalieden-, Unfall-, Krankenversicherung), das Spitalwesen, Sozialhilfe/Sozialhilfeträger, die Koordination der Sozialversicherungen sowie die Alterspolitik. Seine Meinung und Ansichten zu aktuellen Themen kompakt auf zwei Seiten.

Im Februar 2024 hat die Regierung die erste Altersstrategie für das Fürstentum Liechtenstein vorgesellt. Was wurde bereits bzw. wird 2026 umgesetzt? Emanuel Schädler: «Auch die Sicherung der Sozialwerke ist Teil der Altersstrategie. Im ersten Quartal 2026 verabschieden wir den nächsten Überprüfungsbericht darüber, was wir 2025 umgesetzt haben. Verbesserungen betreffen das Betreuungs- und Pflegegeld, das wir auch begrenzt für Spitalaufenthalte geöffnet haben, oder die Anhebung der Gehälter bzw. Inkonvenienz-Zulagen für Pflegekräfte. Die aktualisierte Demenzstrategie ist meines Wissens auch kurz vor ihrem Abschluss.

Die Landesgesundheitskommission beschäftigte sich mit der Verlagerung von ärztlichen Tätigkeiten zu sogenannten Advanced Practice Nurses (APN, «Fachkrankenschwestern»). Diese Arbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen. Im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention wurden auf Landes- und Gemeindeebene die Anstrengungen weitergeführt.

2026 werden wir eine verantwortliche Stelle für Altersfragen beim ASD Amt für Soziale Dienste schaffen, die für die operative Umsetzung der Altersstrategie verantwortlich ist und die restlichen Ziele koordiniert vorwärtstreibt. Das ist sicher ein Meilenstein, der eine noch besser abgestimmte Arbeit ermöglicht. Wir sind hier auf gutem Kurs.»

Anreize für längeres Arbeiten setzen

Für Frauen und Männer bis inkl. Jahrgang 1957 liegt das ordentliche Rentenalter seit 1.1.2010 bei 64 Jahren, bei Jahrgängen 1958 und jünger bei 65 Jahren. Wird für die langfristige Sicherung der AHV eine Erhöhung des Rentenalters notwendig sein? «Ich denke, wie AHV-Direktor Walter Kaufmann bereits publik machte: Das faktische Rentenantrittsalter steigt, da die Menschen länger fit und gesund sind und daher länger arbeiten und auch wollen. Das System ist nicht darauf ausgelegt, dass man immer älter wird und diese «gewonnene» Zeit sich nur in der Rente abspielt. Die Frage ist, ob es dafür eine Erhöhung des Referenzalters braucht oder ob wir andere Anreize setzen können, damit Menschen länger arbeiten wollen.»

Landesspital: Ansiedlung neuer Angebote

Thema Landesspital: Gemäss Pressemitteilung der Regierung vom 10.9.2025 werden, neben Veränderungen auf strategischer Ebene, im Rahmen des Neubauprojekts künftig auch die Planungs- und Bauexperten aus dem Ministerium für Infrastruktur und Bildung unterstützen. Welche konkreten Schritte sind geplant? «Mit dem Landesspital (LLS) selbst sind wir beim Betrieb wieder besser unterwegs als auch schon. Wir sind derzeit dabei, Angebote im LLS anzusiedeln, welche die Grundversorgung stärken. Zum Beispiel versuchen wir, eine flexible Kinderarztpraxis zu installieren, um Engpässe zu überbrücken. Hier sind wir eng mit unseren Partnern aus St. Gallen und Chur im Austausch. Zudem werden wir weitere Anstrengungen unterstützen, welche eine bessere Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten und Institutionen wie LAK und Familienhilfe ermöglichen, damit unsere Bevölkerung über eine effiziente und gute Versorgung verfügt. Im April 2025 tritt der neue Spitaldirektor Jochen Steinbrenner seinen Dienst an. Als Kenner der Region erwarten wir uns dadurch weitere gute Impulse für unser Landesspital.

Beim Neubauprojekt werden wir im kommenden Jahr erste weitere Schritte setzen können, da wir nächstens wissen werden, wie wir das Projekt aufstellen, damit wir es zu den vorgegebenen Konditionen auch bauen können. Hier freut mich besonders der gemeinsame, partei- und ministeriumsübergreifende Effort, den wir leisten, damit alle hinter dem Projekt stehen können.»

Betreuung und Pflege soll finanzierbar bleiben

Welche Ziele haben Sie sich für 2026 gesetzt? «Ich bin mit Jahreszielen vorsichtig. Politisch müssen wir uns Ziele setzen, welche in dieser Legislatur umgesetzt werden können. Dafür haben wir im Wesentlichen, nach der Einarbeitungszeit und vor Beginn des Wahlkampfs, in einer Legislatur gut zwei Jahre Zeit. Für mich gehört hier dazu, dass wir die in der letzten Legislatur beschlossene Justizreform von der Theorie in die Praxis umsetzen und damit unser Rechtssystem verbessern. Auf unserer Agenda steht die langfristige Sicherung der AHV. Zudem müssen wir die Betreuung und Pflege so gestalten, dass sie finanzierbar bleibt und wir genügend Fachkräfte haben.

Wir werden Massnahmen ergreifen, welche die Krankenkassenprämien möglichst stabilisieren, und gleichzeitig wollen wir dafür sorgen, dass die medizinische Grundversorgung und Psychiatrie – insbesondere für Kinder und Jugendliche – verbessert werden. Dies alles neben dem laufenden Tagesgeschäft und der Beantwortung parlamentarischer Vorstösse aller Art. Wir haben also nicht nur sehr viel vor, sondern auch viel zu tun.»

Grusswort an die 60Plus-Leserschaft

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine schöne und besinnliche Adventszeit. Dabei hoffe ich, dass Sie im Rückblick viele schöne Augenblicke des Jahres in Erinnerung behalten. Und vor allem, dass wir alle – trotz einer angespannten geopolitischen Lage – mit viel Zuversicht, Glück, Gesundheit und Gottes Segen ins neue Jahr 2026 starten können.

Herzliche Grüsse, Emanuel Schädler

Zur Person

Dr. iur. Emanuel Schädlers beruflicher Werdegang war zunächst geprägt von Tätigkeiten im akademischen Bereich. Von 2015 bis 2024 fungierte er als Forschungsbeauftragter im Fachbereich Recht am Liechtenstein-Institut in Gamprin-Bendern. Ab 2019 bis 2024 war er ausserdem als Oberassistent am Institut für Rechtsgeschichte des Departements für Grundlagenfächer der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern tätig. Es folgte eine Anstellung als Geschäftsführer der Erwachsenenbildung Stein Egerta in Schaan, bevor er 2025 den Wechsel in die Politik vollzog. Der gebürtige Triesenberger wird am 26. Dezember 42 Jahre alt, lebt mit Ehefrau und Tochter in Vaduz.