von Gabi Eberle

Ältester von neun Kindern, bis zur Pension als Bautechniker und Architekt tätig, von 1979 bis 1991 im Nebenamt Gemeindevorsteher von Mauren, Träger des Komturkreuzes des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens, des Silbernes Ehrenzeichens der Republik Österreich, seit jeher sportlich, Gitarrist in der Schlager-Band «Hitbelebungswerkstatt» – ein Kurzintro zu Hartwig Kieber, den 60Plus für die neue Rubrik «Wanderlust» gewinnen konnte. Auf zwei bebilderten Seiten wird er künftig Touren in Liechtensteins Bergwelt und den umliegenden Regionen vorstellen. Seine positive Einstellung zum Leben zeigte sich während des Gesprächs und, obwohl nicht seine Lieblingsbeschäftigung, auch beim anschliessenden Fotoshooting.
1943 im Maurer Steinbös geboren, war Hartwigs Kinder- und Jugendzeit «einfach, aber schön». Wie damals üblich, betrieben die Kiebers einen kleinen Bauernhof, waren weitgehend Selbstversorger, Vater Theodor arbeitete nebenbei als Maurer und Gipser.
«Bei neun Kindern gab es regelmässig Kindbettferien, die ich bei meiner Tante verbrachte. Unter den Familien bestand ein gutes Verhältnis, ich fühlte mich dort sehr wohl und, für mich vorteilhaft, es gab während dieser Monate keine ‹Geschwisterkämpfe› auszutragen.» (lacht)


So ergab es sich, dass Hartwig ab dem neunten Lebensjahr nur einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt aufwuchs.
Nach Abschluss der Realschule hiess es, wie damals üblich, einen «anständigen» Beruf zu erlernen. Studieren war kein Thema und so fiel seine Wahl auf eine Lehre als Maschinenzeichner bei der Presta AG in Eschen, später ergänzt durch eine dreijährige Weiterbildung zum Maschinenbaukonstrukteur in Zürich.
Nach beruflichen Tätigkeiten in zwei Industriebetrieben wechselte er 1971, in der Funktion als Bautechniker und Architekt, zum Architektur- und Ingenieurbüro Ospelt, ab 1986 bis zur Pensionierung als selbstständiger Partner (Ospelt und Kieber AG).
«Neun-Stunden-Arbeitstage bei 14 Tagen Jahresurlaub waren üblich und wurden nicht hinterfragt.»
Die beste Zeit
Rückblickend bezeichnet Hartwig Kieber seine Jugendzeit als «die beste. Die Freizeitgestaltung bewegte sich zwischen draussen sein, Fussball spielen, ab und zu mit Kollegen ein Bier trinken oder an den Wochenenden Tanzen gehen. Langeweile kannte man nicht. Wirtschaftlich ging es stetig aufwärts. Wer Einsatz zeigte, konnte es zu etwas bringen. Neun-Stunden-Arbeitstage bei 14 Tagen Jahresurlaub waren üblich und wurden nicht hinterfragt.» Und da gab es noch die streng katholische Jünglingsmannschaft, als Pendent für Mädchen die Jungfrauenkongregation. «Man unternahm Ausflüge, organisierte bunte Abende, spielte Theater. In dieser Zeit lernte ich Rita, die 1969, nach vier Jahren ‹Stobate›, meine Ehefrau werden sollte, kennen. Bei ihr hat es gleich gefunkt, bei mir brauchte es etwas länger, bis ich es ‹schnallte›», lacht er. Schönes Detail am Rande: Im selben Jahr löste sich der Carnot Club, gegründet und präsidiert vom damaligen Pfarrer Paul Carnot, aufgrund seiner Abberufung zum Bistum Chur auf. Bis heute sind jedoch neun Paare von damals freundschaftlich verbunden, kommen regelmässig zusammen «und konnten fast alle bereits Goldene Hochzeit feiern.»


Als Vorsteher vieles bewirkt
1975 in den Maurer Gemeinderat gewählt und zum Vizevorsteher ernannt, betrat Hartwig Kieber das politische Parkett. «Zu meiner Überraschung erhielt ich die meisten Stimmen und kam vier Jahre später zur Vorsteherkandidatur wie die Jungfrau zum Kinde. Die Partei war überzeugt, dass ich der Richtige für dieses Amt wäre. Obwohl ich andere Pläne hatte, liess ich mich darauf ein», lacht er. Die Aufgabe im Nebenamt war zeitintensiv und erforderte, meist auch an den Wochenenden, hohes Engagement. «Glücklicherweise war ich jung, gesund und leistungsfähig, hatte einen unterstützenden Geschäftspartner und eine ebensolche, verständnisvolle Frau an meiner Seite.»
Angesprochen auf das Projekt Therapeutische Wohngemeinschaft TWG, initiiert vom Verein für Betreutes Wohnen VBW und 1989 in der zuvor leerstehenden Glatt-Villa im Guler eröffnet, erinnert sich Hartwig Kieber noch gut. «Das Projekt, vom damaligen Gemeinderat als positiv angesehen und einstimmig angenommen, war zu dieser Zeit ein Novum, hat im Vorfeld viel Wirbel verursacht und ging an die Substanz. Die Anwohner sträubten sich vehement, wir wurden zum Teil massiv angegriffen, zogen es aber durch. Das sich der Einsatz gelohnt hat, beweist die Tatsache, dass die TWG eine enorme Entwicklung erfahren hat und nach wie vor besteht.» Nicht nur bei diesem Thema war sein Credo stets, sich umfassend zu informieren, eine klare Meinung zu vertreten, für eine Sache einzustehen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. «Gesamthaft gesehen war es eine sehr positive Zeit, die ich nicht missen möchte. Man konnte viel bewirken, lernte die unterschiedlichsten Menschen kennen – im positiven wie negativen Sinne (zwinkert). Kontakte von damals haben teilweise bis heute Bestand. Ein persönlicher Höhepunkt war für uns die Geburt von Sohn Dominik im Jahr 1987 – eine glückliche Fügung, denn nach 17 Ehejahren hatten wir nicht mehr mit Nachwuchs gerechnet. Dementsprechend gross war die Freude.»

Vielseitig passioniert
Bewegung, sich sportlich zu betätigen, hat Hartwig bis heute durchgezogen: Als Jungspund Fussball, Skifahren, später Tennis, über Jahrzehnte Mitglied im Turnverein Vaduz und wandern gemeinsam mit Ehefrau Rita. Diese Leidenschaft bekam vor rund zwölf Jahren durch Sohn Dominik neuen Schwung. «Er sammelte Wanderliteratur und installierte die App SchweizMobil auf unsere PCs.» Daraus entstand beim Pensionisten die Idee, im Anschluss an die jeweilige Tour, die mal kürzer, mal länger ausfällt, einen Kurzbericht inklusive Bildmaterial zu verfassen. «Es ist zur schönen Tradition geworden, dass wir am Weihnachtsabend die Fotos des vergangenen Wanderjahres auf die Leinwand beamen und die Berichte dazu verlesen.»
Dass die Kiebers in ihrer Freizeit nicht nur «per pedes», sprich zu Fuss, sondern auch musikalisch unterwegs sind, wird dem einen oder der anderen bekannt sein. Die 2015 gegründete Band «Hitbelebungswerkstatt», initiiert und geleitet von Profimusiker Benno Marxer an der Posaune, mit Willy Marxer am Bass, Rita an der Handorgel und Hartwig an der Gitarre, unterhält ihr Publikum mit Hits aus den 50er- bis 70er-Jahren.
Durch Auftritte auf diversen Bühnen – unter anderem im Kulturhaus Rössle Mauren, im Hagen-Haus Nendeln, in Gaststätten, an Sommer- und Gemeindefesten – erfreut sich die Viererformation mittlerweile einer grossen Fangemeinde.

Glück wartet nicht auf dem Sofa
Dem Wortsinn entsprechend klopft Hartwig Kieber am antiken Tisch im Nendler Keramicafé auf Holz. «Uns beiden ist es bisher gesundheitlich sehr gut gegangen. Rita ist eine exzellente Köchin und achtet auf gesunde Ernährung mit viel frischem Gemüse. Ein Gläschen Wein zum Zmittag gehört dazu», lacht der 82-Jährige. Von Extremen, in welchem Bereich auch immer, hält er nicht viel. Die aktive Pflege seines grossen Freundes- und Bekanntenkreises, den er sich unter anderem als Mitglied vieler Vereine und Kommissionen und durchs Musizieren über die Jahre aufgebaut hat, ist «mir wichtig und macht Freude. Konzerte besuchen, aktiv bleiben – da gilt es zwischendurch auch mal, den ‹inneren Schweinehund›, den wir alle kennen, zu überwinden.»
Was wünscht er sich für die Zukunft? «Wenn ich wählen könnte, gesund und optimistisch zu bleiben und dass mein jetziges Leben, mit dem ich sehr glücklich bin, noch ein paar Jährchen so weitergeht. Schlussendlich kommt es so, wie es kommt …»
