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60Plus | Gesundheit | Juni, 2026
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Die Darmfunktion erhalten

Darmgesundheit verbessern, Verstopfung vermeiden, Darmkrebs verhindern
von Dr. Lukas Hinterhuber

Verstopfung gehört zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden in Europa und ist jedes Jahr Grund für unzählige Arztbesuche und Vorstellungen in der Notfallaufnahme. Ältere Erwachsene sind stärker gefährdet, weil sie weniger Ballaststoffe essen, weniger trinken und sich auch etwas weniger bewegen. Über 50 Prozent der 80-Jährigen werden von Verstopfung geplagt.

Nicht drücken!

Umfragen zeigen, dass viele Erwachsene unter chronischer Verstopfung leiden, dieses Problem aber noch nie mit einem Fachexperten besprochen haben. Auf der anderen Seite scheint dies auch ein Tabuthema unter Ärzten zu sein. Auch Hausärzte erkundigen sich sehr selten nach dem Stuhlgang ihrer Patienten.

Beim Versuch, durch starken Druck feste Stücke harten Stuhls herauszupressen, kann der Magen gegen das Zwerchfell gedrückt werden, sodass ein sogenannter Zwerchfellbruch entstehen kann – mit unangenehmen Folgen wie Refluxbeschwerden. Wird der Druck Woche für Woche ausgeführt, kann es auch zu lokalen Problemen wie Hämorrhoiden, Krampfadern oder Analfissuren kommen.

Die beste Stellung für den Stuhlgang

In weiten Teilen dieser Welt, beispielsweise in Asien und Afrika, hockt man sich hin. Wir in der westlichen Kultur haben angefangen, uns auf die Toilette zu setzen. Dabei streckt sich der sogenannte anorektale Winkel nicht genug. Dieser Knick im Rektum verhindert im Alltag, dass wir nicht ungewollt Stuhlgang verlieren. Sie können ganz einfach diesen Winkel durch Hocken, Vorwärtsbeugen, Aufstellen der Füsse auf einen Hocker oder Aufstellen auch nur eines Fusses auf die Klobrille beim Stuhlgang verändern.

Obstipation – eine Ballaststoffmangel-Krankheit

Nur ein Bruchteil in Westeuropa nimmt die täglich empfohlenen Mindestmenge an Ballaststoffen auf. Mit nur 3g Ballaststoffen pro Tag zusätzlich könnten wir diesem Umstand problemlos entgegenwirken. Beispielsweise ¼ Tasse Bohnen oder Haferflocken. Lösliche, nicht fermentierte, ballaststoffreiche Flohsamen (auch in der Apotheke als Metamucil erhältlich) sind besonders wirksam. Eine ausreichende Menge Wasser ist unbedingt empfohlen. Noch etwas besser bei Verstopfung wirken Leinsamen. Sie erhöhen die Häufigkeit des Stuhlganges von 2- auf 7-mal pro Woche. Weitere Untersuchungen zeigten, dass auch Pflaumen oder Mangos einen ähnlich abführenden Effekt hatten. Ein Versuch mit Feigen brachte nichts.

Darmkrebs

Darmkrebs zählt zu den am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. Ein Mensch hat die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit von 1:20, irgendwann im Leben an Darmkrebs zu erkranken. Aktuell beobachtet man eine Zunahme von Darmkrebs. Ob dabei die Zunahme der Fettleibigkeit, des Fleischkonsums oder auch ein übermässiger Gebrauch an Antibiotika bei Kindern eine Rolle spielt, ist noch nicht ausreichend untersucht. Insbesondere beobachtet man jedoch aktuell eine rasante Zunahme bei jüngeren Patienten.

Die Schweizer Gesellschaft für Gastroenterologie empfiehlt eine Vorsorge-Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr, interessanterweise die österreichische aufgrund der oben angesprochenen Erkenntnisse eine Vorsorgekoloskopie ab dem 45. Lebensjahr. Weitere Kontrollen sind dann alle zehn Jahre vorgesehen.

Was werde ich ab morgen zum Frühstück essen?

Für alle Leser und Leserinnen von 60Plus, die unter Verstopfung leiden, empfehle ich anstelle des Marmeladenbrotes das Apfel-Pflaumen-Zimt Porridge mit Weizenkleie:

2 Tassen Apfelmus, eine frische Mango, 2 Tassen Weizenkleie, 1 Tasse 100-prozentiger Pflaumensaft, 80 g Haferflocken, eine Prise Zimt und Salz. Dazu 2 Esslöffel geschrotete, über Nacht eingeweichte Leinsamen. Das Porridge etwa 5–7 Minuten bei niedriger Temperatur leicht köcheln lassen, bis eine cremige Konsistenz entsteht. Zum Anrichten den Frühstücksbrei in zwei Schalen füllen, mit der Mango garnieren und warm geniessen!

Durch die richtige Haltung auf der Toilette und ausreichend Flüssigkeit steht nun einer beschwerdefreien Verdauung nichts mehr im Weg.

Gutes Gelingen und gute Gesundheit!

Zur Person

Lukas Hinterhuber ist Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Geriatrie. Sein Themenschwerpunkte sind neben der Geriatrie die Gastroenterologie und die Ernährungsmedizin. Er arbeitet am Landesspital in Vaduz als Leiter der Abteilung für Akutgeriatrie sowie in einer Praxis in Tirol.