von Dr. med. Robert Vogt

Seit der Antike wird die Empfehlung für regelmässige körperliche Bewegung überliefert, um die Gesundheit zu erhalten und die Chancen für ein gesundes Altern zu verbessern. Auch in der Medizin ist dieses Bewusstsein in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Vordergrund gerückt. Es wurde mit wissenschaftlichen Daten belegt, wie wichtig regelmässige Bewegung ist und dass körperlich aktive Menschen länger leben und gesünder altern. Durch Bewegung werden Alterungsprozesse verlangsamt und Krankheiten verhindert.
Der Einfluss von sportlicher Aktivität auf das Altern konnte sogar molekularbiologisch nachgewiesen werden mit positiven Effekten im Bereich der Chromosomen, auf zellulärer Ebene und auf Entzündungsprozesse.
Positive Effekte von Sportvauf das Altern
Regelmässige körperliche Aktivität wirkt präventiv und kompensatorisch gegenüber altersassoziierten Funktionsverlusten. Regelmässige Bewegung und Krafttraining unterstützen die Erhaltung der Muskelmasse und wirken dem altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie) entgegen. Zudem werden Knochendichte und Gelenkfunktion verbessert, wodurch das Risiko für Osteoporose, Arthrosebeschwerden und Stürze reduziert wird.
Körperliche Aktivität hat auch günstigen Einfluss auf das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus. Des Weiteren wird das Risiko für demenzielle Erkrankungen vermindert. Darüber hinaus fördert Sport den Erhalt der Selbstständigkeit im Alltag. Dies soll nicht als Empfehlung für Extrem- oder Risikosportarten verstanden werden. Insgesamt gilt eine regelmässige, altersangepasste körperliche Aktivität als einer der wirksamsten evidenzbasierten Faktoren zur Förderung eines gesunden Alterns («healthy aging»).
Wichtig sei insbesondere die Abwechslung von verschiedenen Aktivitäten anstatt einer hochintensiven, monotonen sportlichen Aktivität. Ein bunter Mix aus Spazieren, Kraft- und Ausdauertraining bis hin zu Alltagsaktivitäten wie beispielsweise Gartenarbeit ist günstig für die Langlebigkeit.
Gemäss einer im Januar 2026 erschienenen Studie von Forschenden der Harvard School of Public Health ist es besonders vorteilhaft, wenn man sich regelmässig und vor allem auch abwechslungsreich körperlich betätigt. Wichtig sei insbesondere die Abwechslung von verschiedenen Aktivitäten anstatt einer hochintensiven, monotonen sportlichen Aktivität. Ein bunter Mix aus Spazieren, Kraft- und Ausdauertraining bis hin zu Alltagsaktivitäten wie beispielsweise Gartenarbeit ist günstig für die Langlebigkeit. Die Teilnehmenden der Studie mit der grössten Vielfalt an sportlichen Aktivitäten wiesen ein um 19 Prozent geringeres Sterberisiko auf als jene mit der geringsten Vielfalt. [1]
Auch wenn das alles bekannt ist, braucht es Disziplin und Selbstüberwindung, um diesen Empfehlungen zu folgen. Ein Aspekt bereitet in diesem Zusammenhang oft besondere Schwierigkeiten, nämlich dass gerade mit zunehmendem Alter auch vermehrt Gelenksbeschwerden auftreten, die einem einen Strich durch die Rechnung machen. Dies kann zu einem Teufelskreis von Schmerzen, Reduktion der körperlichen Aktivität und Zunahme der Beschwerden durch eine Arthrose werden. Als Volkskrankheit gelten die Knie- und Hüftarthrose. Diese Gelenke müssen grosse Belastungen tragen, können sich bei einer Arthrose schmerzhaft melden und damit die Mobilität erheblich einschränken.
Kniearthrose
Die Kniearthrose ist eine degenerative Erkrankung, die durch einen fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels sowie Veränderungen des Knochens, der Gelenksschleimhaut und gelenksnaher Strukturen gekennzeichnet ist. Sie zählt zu den häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen im höheren Lebensalter.
Risikofaktoren sind höheres Lebensalter, Adipositas, Fehlstellungen, frühere Gelenkverletzungen sowie genetische Faktoren. Die Symptome sind belastungsabhängige Schmerzen, Gelenksteife, Anlaufschmerz und eine Einschränkung der Mobilität. Die Erkrankung kann zu einer deutlichen Reduktion der Gehfähigkeit, erhöhten Sturzgefahr und eingeschränkten Alltagsbewältigung führen. Dies führt zu einer Verminderung der Lebensqualität. Die Therapie hat als Ziel eine Schmerzlinderung, Funktionsverbesserung und Verlangsamung des Fortschreitens. Dazu zählen konservative Massnahmen wie Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion, Kräftigung und Physiotherapie, medikamentöse Schmerzbehandlung sowie Infiltrationen, d. h. Injektionen von Medikamenten in das Gelenk.
Bei fortgeschrittenen Stadien kann ein endoprothetischer Gelenkersatz nötig werden, um die Mobilität zu erhalten. Hier werden je nach Ausprägung der Arthrose Teil- oder Knie-Totalprothesen eingesetzt. Dadurch wird die abgenützte Gelenksoberfläche ersetzt durch ein Implantat. Nach einem kurzen Spitalaufenthalt wird die Mobilität unter Anleitung der Physiotherapie wieder aufgebaut.
Hüftarthrose
Die Hüftarthrose ist die chronisch-degenerative Erkrankung des Hüftgelenks. Wie bei der Kniearthrose kommt es auch hier zu einem Abbau des Gelenkknorpels und Veränderungen des Knochens und der umgebenden Weichteile.
Zu den Risikofaktoren zählen höheres Lebensalter, Adipositas, anlagebedingte Fehlstellungen, Verletzungen des Hüftgelenks und genetische Faktoren.
Die Hüftarthrose tritt ebenfalls häufig im höheren Lebensalter auf und stellt eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Hüftgelenks dar. Zu den Risikofaktoren zählen höheres Lebensalter, Adipositas, anlagebedingte Fehlstellungen, Verletzungen des Hüftgelenks und genetische Faktoren. Typischerweise kommt es zu belastungsabhängigen Schmerzen in der Leiste, im Gesäss oder Oberschenkel. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt und die Gehfähigkeit reduziert.
Die fortgeschrittene Hüftarthrose führt häufig zu einer Einschränkung der Mobilität, einem erhöhten Sturzrisiko und einer verminderten Lebensqualität. Das Ziel der Therapie ist eine Schmerzlinderung, Verbesserung der Mobilität und der Erhalt der Selbstständigkeit. Dies erfolgt bei den frühen Stadien der Arthrose primär konservativ mit Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion, Physiotherapie und medikamentöser Behandlung.
In fortgeschrittenen Stadien kann ein totaler Hüftgelenkersatz erforderlich sein. Hierbei wird über einen minimalinvasiven Zugang unter Schonung der Muskeln eine Hüftpfanne im Beckenknochen und ein Schaft mit einem Kopf im Oberschenkelknochen eingesetzt. Dadurch kann eine grosse Mehrzahl der Patienten schmerzfrei leben, gute Mobilität und verbesserte Lebensqualität erreichen.

Robert Vogt ist Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie sowie Facharzt für Chirurgie. Er arbeitet in eigener Praxis in Schaan und ist operativ tätig als Belegarzt in der Klinik Gut in Fläsch und im Spital Walenstadt.
1 Han H, Hu J, Lee DH, Zhang Y, Giovannucci E, Stampfer MJ, Hu FB, Hu Y, Sun Q. Physical activity types, variety, and mortality: results from two prospective cohort studies. BMJ Med. 2026 Jan 20;5(1):e001513.
