Eine Buchbesprechung von Georg Kieber

«Die Koalition der Willigen», angeführt von Berlin, London und Paris, begründet ihre teure militärische, finanzielle und logistische Unterstützung der Ukraine mit der festen Überzeugung, moralisch auf der Seite der Guten zu stehen. Gut und Bös ist beim „völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg vom 24. Februar 2022“ angeblich leicht zu unterscheiden. Durch die ständige Wiederholung des Datums wird ein Beginn markiert und damit geschickt Vorgeschichte und Zusammenhang ausgeblendet.
Klaus von Dohnanyi und Erich Vad führten Gespräch über die weltpolitische Lage und die militärischen Entwicklungen. Sie durchbrechen die Einseitigkeiten, zeigen Hintergründe und Zusammenhänge auf und setzen dem medialen und propagandistischen Alarm sachkundige, nüchterne, differenzierte Analysen und Meinungen entgegen. Dr. Klaus von Dohnanyi, in Deutschland und Amerika ausgebildeter Jurist, hatte zahlreiche politische Ämter inne, war unter anderem Bundeswissenschaftsminister, Staatsminister im Auswärtigen Amt und ist Autor zahlreicher Bücher. Dr. Erich Vad ist Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr, war militärpolitischer Berater der damaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ist Autor von Büchern, zuletzt des Bestsellers EErnstfall für Deutschland». Das Gespräch zwischen K. v. Dohnanyi und E. Vad wurde aufgezeichnet und unter dem Titel «Frieden – wie geht das?» publiziert.
Versuchslabor für KI-Kriegsführung
Die Autoren sind sich einig: In der Ukraine findet nicht nur ein Verteidigungskrieg statt, sondern vor allem ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland. Der Krieg ist für die USA ein einzigartiges Versuchslabor für KI-Kriegsführung unter realen Kampfbedingungen. Der Krieg wäre vermeidbar gewesen. Angela Merkel warnte an der NATO-Konferenz 2008 in Bukarest, dass die NAT0-Mitgliedschaft der Ukraine eine rote Linie für Russland und faktisch Krieg bedeute. Ihr Einwand verhallte, und stattdessen schrieb die Ukraine den NATO-Beitritt als Ziel in die Verfassung. «Das ist natürlich für Putin das Signal gewesen: Es wird passieren». Solange der NATO-Beitritt als Zielsetzung nicht aufgegeben wird, kann Russland keinen Frieden mit der Ukraine schliessen.
Nicht genug, nun wird am kurzfristigen EU-Beitritt der Ukraine gearbeitet. Da nicht nur die NATO, sondern auch der EU-Vertrag militärische Beistandspflicht vorsieht, ist mit dem angestrebten EU-Beitritt Selenskyjs Absicht zu erkennen, den Krieg auszuweiten und Europa in das Kriegsgeschehen hineinzuziehen. Gut für Selenskyj, schlimm für Europa; in einem europäischen Krieg ist Deutschland Drehscheibe und Aufmarschgebiet.
Bei der bedingungslosen Unterstützung der Ukraine wird von Politik und Medien ausgeblendet, dass der Bundesgerichtshof die Auffassung vertritt, die Ukraine habe die Sprengung der Ostseepipeline Nord Stream initiiert und gesteuert. Geschätzte Schadenssumme für Deutschland, den grössten Unterstützer der Ukraine, zirka 20 Milliarden.
Kriege haben die Tendenz zur Eskalation
Zu einem Angriff auf die NATO, den die Medien unablässig prophezeien, ist Russland absehbar militärisch nicht befähigt. Das bestätigen auch amerikanische Nachrichtendienste. Die NATO ist mehrfach überlegen und ausserdem, was sollte Russland zu einem so riskanten Krieg motivieren, fragt Brigadegeneral Erich Vad. Er hält fest: «1914 gab es eine breite Kriegsbegeisterung. Heute sehe ich den Weg des Krieges eher bei unseren sogenannten Eliten.»
Erich Vad steht unter dem Eindruck, dass in Zeiten der Rezession die Ökonomen zur Umstellung der freien Marktwirtschaft auf Kriegswirtschaft raten. «Dazu braucht es eine umfassende Bedrohung.» Und auch K. v. Dohnanyi meint: «Mit Blick auf den grassierenden wirtschaftlichen Niedergang der europäischen Führungsnationen, allen voran Deutschland, erscheint die laufende Umstellung auf Kriegswirtschaft vorteilhafter zu sein als eine eher friedlichere politische Kooperation mit Russland.»
Was also wäre zu beachten (gewesen): Interventionen in die Einflusssphären von Weltmächten führen zum Krieg, Kriege haben die Tendenz zur Eskalation, das Interesse am Frieden muss höher sein als das Interesse am Krieg, die Ukraine braucht belastbare Sicherheitsgarantien anstelle einer NATO- oder EU-Mitgliedschaft, man muss mit dem Feind reden, Frieden ist Arbeit.
